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Position VIER PFOTEN zum staatlichen Tierwohllabel


Folgende Punkte sind für die Glaubwürdigkeit eines Tierwohllabels absolute Pflichtkriterien:

 

  • Nämlichkeit (d.h. jedes gelabelte Produkt muss nach den Kriterien des Labels produziert worden sein)
  • Intakter Ringelschwanz (generelles Verbot des Schwanzkupierens, keine Ausnahmen, keine Übergangsfristen)
  • Umsetzung des Verbots der betäubungslosen Kastration (Vollnarkose und NSAID)
  • Abgegrenzter Ruhebereich / eingestreute Liegefläche
  • Detaillierte Angaben zu Beschäftigungsmaterial und Raufutter: Mengenangabe an Raufutter/Tier/Tag, Definition des Beschäftigungsmaterials / Raufutters (essbar, kaubar, etc. wie nach EU-WelNet-Definition sowie Beispiele, was akzeptiert wird (Stroh, Heu oder Silage) und was nicht (Metallkette, Holz).
  • Offene Tränken (Schalentränken, Trogtränken)
  • Transportdauer max. 4 h

Weitere Kriterien:

  • Ebermast und Immunokastration sollten beim Label als Alternative zur chirurgischen Kastration zumindest genannt werden
  • Mehr Platz (1,5 m² für >110 kg) / Ausweichmöglichkeiten
  • Eingestreute Liegefläche (an 3 Seiten umgrenzt)
  • Strukturen / Rückzugsmöglichkeiten
  • Erhebung tierbezogener Parameter während Aufzucht und Mast sowie nach der Schlachtung mit Rückmeldung an Tierhalter
  • Verlängerung der Säugezeit (mind. 6 Wochen)
  • Kein Kastenstand (Deck- und Abferkelbereich)

(Stand Juli 2017)



 


Nämlichkeit

Alternativ zur Nämlichkeit gibt es das Prinzip der Massenbilanzierung, wo u.a. auch Produkte gelabelt werden, die nicht die erforderlichen Kriterien erfüllen. So z.B. bei der Initiative Tierwohl: auf der Produktverpackung steht, dass der Konsument mit dem Kauf des Produkts die Initiative unterstützt, das Produkt selbst kann jedoch auch unter ganz normalen gesetzlichen Standards – ohne Mehrwert - produziert worden sein.  Ob die Nämlichkeit beim staatlichen Tierwohllabel eingehalten wird, ist derzeit nicht bekannt, wurde jedoch als beabsichtigt kommuniziert.


Schwanzkupieren

Nach den Kriterien für die Einstiegsstufe ist weiterhin routinemäßiges Schwanzkupieren erlaubt unter der Bedingung, dass jeder Betrieb, der beim Label mitmacht, einige Tiere versuchsweise mit intaktem (nicht kupiertem) Ringelschwanz belässt. Es wird jedoch weder vorgeschrieben, wieviel Prozent der Tiere dies betreffen soll, noch, bis wann der Betrieb zu 100% aus dem Kupieren ausgestiegen sein soll. Routinemäßiges Schwanzkupieren ist bereits seit 1994 in der EU verboten. Die wenigsten Mitgliedstaaten halten sich jedoch daran. Auch in 99% der deutschen Schweinebetriebe werden die Tiere teils noch immer kupiert. Diese Verletzung geltender EU-Vorschriften nun mit „mehr Tierwohl“ auszuzeichnen, ist nicht tragbar.


NSAID

Nicht steroidale Entzündungshemmer – Schmerzmittel (wie z.B. Meloxicam). Ein neues Gesetz verbietet die betäubungslose Kastration voraussichtlich ab dem 01.01.2019 in Deutschland. Der Mehrwert einer Betäubungsvorschrift im Rahmen des staatlichen Tierwohllabels würde dann lediglich darauf beruhen, dass auch importierte Ferkel mit einbezogen wären. Das gelabelte Produkt muss von einem Tier stammen, dass unter Betäubung kastriert wurde (auch wenn es z.B. aus NL kommt). Allerdings fehlt im Gesetz (und auch in den Kriterien) eine Definition der erlaubten Betäubungsmethoden. Nicht jede Betäubungsmethode ist tierschutzkonform, so z.B. die in NL übliche Betäubung mit CO2, bei der die Tiere Erstickungsgefühle erleiden. VIER PFOTEN fordert den Umstieg auf folgende Maßnahmen: reine Ebermast, die Immunkastration sowie im Falle einer chirurgischen Kastration die Betäubungsformen Inhalationsnarkose mit Isofluran (keine Erstickungsgefühle) oder die Injektionsvollnarkose (intravenös oder intramuskulär). Alle Betäubungsformen müssen ausschließlich durch einen Tierarzt verabreicht werden. Zusätzlich zur Betäubung muss im Vorfeld eine Schmerzmittelgabe erfolgen, um die Nachschmerzen nach der Kastration zu lindern.


EU-WelNet

Das EU WelNet- Programm (http://euwelnet.hwnn001.topshare.com/Pages/0)  wurde entwickelt, um Kontrolleure zu schulen, welches Beschäftigungsmaterial geeignet ist, um die Anforderungen der EU-Richtlinien zu erfüllen.


Tränken

Offene Tränken ermöglichen das artgemäße Trinken. Das Trinken aus Nippeltränken hingegen lässt die Schweine meist weniger oder zu wenig trinken, da sie mehr Zeit benötigen, die gleiche Wassermenge zu bekommen wie in einer offenen Tränke.


Transportzeit

Gemeint ist die reine Transportzeit im Inland.


Ausweichmöglichkeiten

Nur durch einen gewissen Mindestplatz ist eine Strukturierung der Bucht mit verschiedenen Funktionsbereichen bzw. eine Trennung von Liege- und Fress/Kotbereich möglich.


Liegeflächen

Schweine benötigen eine weiche und bequeme Liegefläche (EU-RL fordert „comfortable lying area“). 99% der Schweine werden hingegen auf harten Beton-Spaltenböden gehalten ohne eingestreute Liegefläche. Viele Tiere leiden daher unter entzündeten Gelenken und Liegeschwielen. Auch im Label ist keine Einstreu für Mastschweine vorgesehen, sondern Haltung auf Vollspaltenboden erlaubt.


Strukturen

Schweine trennen ihren Liege- vom Fress/Kotbereich. Den Liegebereich halten Schweine normalerweise sehr sauber. Dies funktioniert bspw. meist sehr gut in alternativen Systemen mit angrenzendem Auslauf. Auf engem Raum und in Vollspaltenbuchten sind die Schweine hingegen gezwungen, dort hin zu koten, wo sie auch liegen. Das ist nicht artgemäß. Kot und Urin fallen durch die Betonspalten und lagern im Güllekanal unter den Schweinen. Die Schweine atmen dann die ganze Zeit den Gestank ihrer eigenen Exkremente ein. Untersuchungen am Schlachtband haben ergeben, dass bis zu 80% der Schweine defekte Lungen haben.


Erhebung tierbezogener Parameter

Die Erhebung tierbezogener Parameter am lebenden und am toten Tier (Schlachtband) ermöglicht es, über Anforderungen an das Haltungssystem hinaus, den gesundheitlichen Zustand des Tieres festzustellen. Am Schlachtband sieht man Entzündungen der Gelenke, Lungenkrankheiten, Verletzungen, etc. und kann Rückschlüsse auf mangelndes Management oder auf die Haltung der Tiere ziehen. Gute Tierwohllabel-Programme beziehen die Erhebung tierbezogener Parameter mit ein. Beim staatlichen Tierwohllabel bleibt unkonkret, welche Kontrollparameter erhoben werden sollen.


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