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Das soll "Mehr Tierwohl" sein?

2017-07-27

VIER PFOTEN lehnt das von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt vorgestellte, staatliche Tierwohllabel ab. Denn wo Tierschutz drauf steht, muss auch Tierschutz drin sein!

 

VIER PFOTEN sowie das gesamte Bündnis für Tierschutzpolitik kritisieren die am 25. April 2017 von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt veröffentlichten Kriterien, die maßgeblich für die Einstiegsstufe des geplanten, staatlichen Tierwohllabels „Mehr Tierwohl“ stehen sollen. Diese Kriterien liegen teilweise unter den gesetzlichen Vorgaben und bieten somit keine wesentlichen Verbesserungen für die Tiere.



© VIER PFOTEN | Fred Dott

Das neue, staatliche Tierwohllabel soll Konsumenten an der Ladentheke Klarheit verschaffen, ihnen eine Möglichkeit geben, sich mit mehr Geld für ein tierfreundlicheres Produkt zu entscheiden. Doch derzeitiger Fakt ist: das staatliche Tierwohllabel zeichnet lediglich den Mindeststandard aus. Und:die von Schmidt veröffentlichten Kriterien liegen teilweise sogar unter den gesetzlichen Vorgaben und bieten somit kaum Verbesserungen für Millionen von betroffenen Tieren. Solange elementare Tierwohlkriterien nicht bereits in der Einstiegsstufe Anwendung finden, ist das Label nicht mehr als ein Marketinginstrument der Fleischindustrie, um Verbrauchern mit einem Label und einem erhöhten Verkaufspreis vorzugaukeln, dies sei Tierschutz.


So soll es in der Einstiegsstufe z.B. weiterhin erlaubt sein, Schweinen routinemäßig den Ringelschwanz zu kürzen, was bereits seit 1994 durch eine geltende EU-Richtlinie per Gesetz verboten ist. Die Tiere werden weiterhin auf Betonboden ohne Einstreu gehalten, was u.a. schmerzliche Entzündungen der Klauen und Gelenke verursacht. Und auch Sauen werden weiterhin wochenlang im Kastenstand vollfixiert, während sie ihre Ferkel gebären und säugen müssen. Diese Tierqual soll nicht nur hingenommen, sondern nun auch mit einem Label für „Mehr Tierwohl“ ausgezeichnet werden. 

 

Ein Skandal für Millionen Tiere und ein Betrug am Verbraucher! Das Label in seiner jetzigen Form muss gestoppt werden. Das Bündnis für Tierschutzpolitik kritisiert neben den unzureichenden, inhaltlichen Kriterien ebenfalls das Vorgehen der Bundesregierung zur Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe zum staatlichen Tierwohllabel. Demnach erklären alle Tierschutzorganisationen des Büdnisses ihren sofortigen Austritt aus der Arbeitsgruppe des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

 

Das Bündnis fordert weiterhin eine obligatorische EU-Kennzeichnungspflicht für alle tierischen Produkte, analog zu der bekannten 0 - 1 - 2 - 3 Kennzeichnung von Eiern. Nur so können sich Konsumenten beim Einkauf tatsächlich bewusst für oder gegen ein Haltungssystem entscheiden. 


Bewertung der wichtigsten "Mehr Tierwohl"-Kriterien in der Einstiegsstufe aus Tierschutzsicht

 


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