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Massenware Schwein


Die Deutschen lieben Schwein – auf dem Teller. Ob zu Wurst, Kotelett oder Schnitzel verarbeitet: Schweinefleisch ist das meist verzehrte Fleisch in Deutschland. Im Schnitt isst jeder Deutsche rund 37[1] Kilogramm pro Jahr und gehört damit neben Österreich, Polen und Spanien zu den weltweiten Spitzenreitern.[2]


Millionen Schweine leiden in der Intensivmast.
© VIER PFOTEN

Rund 27,7[3] Millionen Schweine stehen in Deutschlands Ställen. Um der steigenden Fleischnachfrage nachzukommen, wurden hierzulande über 58 Millionen Schweine im Jahr 2014 geschlachtet.[4] Deutschland ist damit der größte Schweineerzeuger in der Europäischen Union. Doch kaum ein Schwein hat jemals das Glück, auf einer grünen Wiese zu stehen.

 

Die Gesamtzahl der Schweinehalter sinkt, doch gleichzeitig werden die Betriebe immer größer. Der Großteil der Schweine muss in Massentierhaltungen leben – Anlagen mit mehr als 400 Tieren.

 

Aus Kostengründen ist die Schweineerzeugung mehr und mehr produktionsteilig organisiert. Spezialisierte Betriebe halten nur Sauen für die Ferkelproduktion, die jungen Tiere werden in anderen Betrieben gemästet, bevor sie zur Endmast unter Umständen wieder in einen anderen Stall verbracht werden. Ein Schwein wird deshalb im Laufe seines Lebens häufig hin und her transportiert.

Um dem Verbraucherwunsch nach billigem Fleisch gerecht zu werden, ist die Ausstattung der Ställe vor allem darauf ausgerichtet, möglichst viel Schweinefleisch in kürzester Zeit zu möglichst geringen Kosten zu produzieren. Mastschweine werden mit hochkonzentrierten Futterrationen gemästet. Raufutter oder Einstreu zum Wühlen und Spielen wird nur selten angeboten. Zuchtsauen müssen in kürzester Zeit so viele Ferkel wie möglich gebären, mit fatalen Folgen für ihre Gesundheit: Durchschnittlich 50 Prozent der Sauen müssen jährlich aufgrund von Fruchtbarkeitsstörungen und Gesundheitsschäden aussortiert und geschlachtet werden.


[1] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/38140/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-schweinefleisch-in-deutschland/

[2] http://pork.ahdb.org.uk/prices-stats/news/2016/march/eu-pig-meat-consumption-rises-in-2015/

[3] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaftFischerei/TiereundtierischeErzeugung/AktuellSchweine.html

[4] http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/File:Statistics_on_slaughtering,_all_species,_by_country,_2014.png


Eine Sau hat 14 Zitzen, Tiere der dänischen Rassen bekommen jedoch im Schnitt 17 Ferkel pro Wurf.
© VIER PFOTEN

Auch die Ferkel leiden, denn immer häufiger werden dänische Sauenrassen eingesetzt, die mehr Ferkel gebären, als sie versorgen können. Eine Sau hat 14 Zitzen, Tiere der dänischen Rassen bekommen jedoch im Schnitt 17 Ferkel pro Wurf[1]. Dies hat zur Folge, dass vermehrt Ferkel mit einem niedrigen Geburtsgewicht geboren werden und somit auch mehr  schwache Ferkel, die eine Sonderbetreuung benötigen würden. Aus Zeitgründen wird hierauf häufig verzichtet und die Ferkel werden stattdessen aussortiert und  - oftmals unsachgemäß- getötet.[2]  

 


[1] http://www.agrarheute.com/news/erfolgsgeschichte-153-ferkel-pro-sau

[2] https://www.youtube.com/watch?v=NGNtWWbRVpY



Monotonie bis zum Schlachttag

 

Auch Mastschweine werden in Gruppenbuchten gehalten, meist auf Vollspaltenböden ohne Stroh. Typisch sind sehr hohe Belegdichten. Den Tieren fehlt es in diesen Buchten oft an Beschäftigung (z.B. Wühlen ist nicht möglich). Die Nahrungsaufnahme macht unter natürlichen Bedingungen einen Großteil der Tagesaktivitäten aus, sie reduziert sich aufgrund der hochkonzentrierten Futterration auf wenige Minuten am Tag.


Verhaltensstörungen wie Schwanz- und Ohrenbeißen anderer Buchtengenossen sind direkte Folgen einer nicht artgemäßen Haltung und Fütterung. Statt den Tieren Beschäftigungsmaterial anzubieten, dass sie kauen und fressen können, wie Stroh und Raufutter, schneidet man Schweinen die Schwänze ab. Und dies, obwohl das routinemäßige Kupieren von Schwänzen bei Schweinen seit 1994 EU-weit nicht mehr erlaubt ist. Anstatt die Ställe den Tieren anzupassen, werden die Schweine auf die tierfeindlichen Lebensumstände in den Ställen zurechtgestutzt. Die Europäische Kommission hat zwar mehrere Mitgliedstaaten ermahnt, sich an die geltenden Rechtsvorschriften zu halten, zögert bislang jedoch, Konsequenzen zu ziehen.
           

Moderne Schweinerassen werden für die Fleischproduktion auf hohen Fleischansatz mit möglichst kurzer Mastdauer gezüchtet. Die nicht artgemäße Aufstallung der Tiere führt zu Stress und macht die Schweine krankheitsanfällig, was zu einem erhöhten Medikamenteneinsatz führt. Häufige Erkrankungen sind beispielsweise Lungenentzündungen und Magengeschwüre.[1] Nach etwa 160 bis 180 Lebenstagen ist das Schwein mit 110 Kilogramm Lebendgewicht schlachtreif und wird auf seine letzte Reise zum Schlachthof geschickt.

 


[1] http://www.scilogs.de/vom-hai-gebissen/magengeschw-re-beim-schwein-eine-spurensuche/



Bedürfnisse des Hausschweins aus verhaltensbiologischer Sicht


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