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Kastenstand


VIER PFOTEN Kampagne

Eingepfercht im Einzelkäfig, künstliche Besamung, knapp vier Monate trächtig, Abferkeln, Säugen– und dann alles wieder von vorn: So sieht das Leben einer Zuchtsau aus.


 

Sauen, die in hochmodernen Schweinezuchtbetrieben für die Ferkelproduktion verwendet werden, verbringen ungefähr die Hälfte ihres ohnehin nicht langen Lebens in körpergroßen Metall-Käfigen, von der Industrie als „Kastenstand“ bezeichnet. Dieser Kastenstand ist so klein, dass die Sau sich nicht einmal umdrehen kann – ganz zu schweigen von ihren übrigen Bedürfnissen. Völlig isoliert von der Gruppe hat sie keinen Kontakt zu Artgenossen und kann weder herumlaufen, noch erkunden oder sich suhlen.


Kastenstand_Stallansicht.jpg Kastenstand_Front.jpg Kastenstand_saeugt.jpg Kastenstand_zweiSauen.jpg Schweine_Spaltenboden.jpg

 

Gebärmaschinen im Kastenstand: Zuchtsauen

 

Der Kastenstand ist eine von Metallgittern umrandete Box mit Beton- Teilspaltenboden, in der eine einzelne Sau gehalten wird. Der Mangel an Bewegung und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie die Isolation von der Gruppe ist für die Tiere eine Tortur, die zu verschiedenen Gesundheits- und Verhaltensstörungen führt.



Die Industrie begründet diese Haltungsform mit dem Ziel, die Sterberate von Ferkeln gering zu halten. Es geht aber vor allem um Wirtschaftlichkeit: in möglichst kurzer Zeit auf möglichst kleinem Raum möglichst viele Schweine zu produzieren.


 

Ferkel am Fließband

 

Muttersauen werden wie Gebärmaschinen behandelt. Ihr Leben ist ein ununterbrochener Zyklus aus künstlicher Besamung, Trächtigkeit, Geburt, Säugezeit und erneuter Besamung, so dass eine Sau zwei bis drei Mal im Jahr Ferkel bekommt.


Kastenstand für trächtige Sauen.
© VIER PFOTEN

Mit rund sieben Monaten wird die Jungsau zum ersten Mal besamt. Dazu wird sie im „Deckzentrum“ in den Einzelkäfig gesperrt. Per Hormonspritze wird die „Rausche“ (Phase der Empfänglichkeit) herbeigeführt und die Sau dann künstlich besamt. Danach bleibt die Sau für mindestens vier Wochen in diesem Metall-Käfig. Die Industrie argumentiert, die Wahrscheinlichkeit sei somit höher, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt.


Kastenstand in der "Abferkelbucht".
© VIER PFOTEN

Etwa eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin wird die Sau in den „Abferkelstall“ gebracht, wo sie, erneut im Käfig („Abferkelbucht“) eingepfercht, etwa 10 bis 16 Ferkel zur Welt bringt und rund drei bis vier Wochen säugt. Dabei trennt das Gitter die Mutter von ihren Ferkeln. Zwar können die Ferkel unter den Stangen an die Zitzen der Mutter gelangen, die Mutter kann jedoch keinen liebevollen Kontakt zu ihren Ferkeln aufnehmen, da sie sich so gut wie gar nicht bewegen kann. Nach der Säugephase wird die Sau meist sofort wieder ins Deckzentrum und erneut in den Schweinekäfig gebracht. Nur im Zeitraum dazwischen, während ihrer Trächtigkeit muss sie für einige Wochen in der Gruppe gehalten werden.  

 

Eine Sau durchläuft diesen "Produktionszyklus" so lange, bis sie die gewünschte "Aufzuchtleistung" von ca. 30 Ferkeln pro Jahr nicht mehr erbringt – dann wird sie geschlachtet.


 

Alternativen zum Kastenstand

 

Die Industrie rechtfertigt die Kastenstandhaltung mit zu befürchtenden Ferkelverlusten: Wenn sich die Sau hinlege, könne sie die Ferkel erdrücken. Doch diese Gefahr entsteht durch die Zucht der Sauen, die im Laufe der Jahre immer größer wurden und durch den extremen Platzmangel: In der Kastenhaltung kann sich die Sau nicht langsam ablegen, sondern muss sich „fallen lassen“.



Unter guten Haltungsbedingungen in alternativen Systemen hingegen, mit mehr Platz und Einstreu, kann sich die Muttersau langsam ablegen. Außerdem gibt es Schutzvorrichtungen, „Ferkelabweiser“ genannt, die an der Wand angebracht werden und den Ferkeln einen Unterschlupf bieten. Wie wissenschaftliche Studien erwiesen haben, sind die Ferkelverluste in diesen Systemen nicht höher als in der Kastenstandhaltung. Untersuchungen, die alternative Abferkelsysteme mit Kastenständen verglichen, kamen außerdem zu folgendem Ergebnis: In Kastenständen werden mehr Ferkel totgeboren, und die Überlebenden entwickeln sich schlechter als in alternativen Abferkelsystemen.

 

 

Rechtliche Situation

 

Nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ist es erlaubt, Sauen mehrmals pro Jahr für ca. 2,5 Monate am Stück einzeln in Kastenständen zu halten, nämlich im Zeitraum zwischen einer Woche vor dem voraussichtlichen Geburtstermin, bei der Geburt und anschließend während der gesamten Säugeperiode (drei bis vier Wochen) sowie im Anschluss weitere vier Wochen nach dem erneuten Decken. Ab 1. Januar 2013 ist dazwischen Gruppenhaltung für die Sauen vorgeschrieben. Bis dahin können viele Betriebe den Schweinekäfig aber  noch völlig legal fast ganzjährig einsetzen, und auch die neue Regelung bedeutet, dass die Sauen rund die Hälfte des Jahres im Kastenstand gehalten werden können.


 

Weitere Informationen:

 

Brutpflege und Ferkelverhalten beim Hausschwein

Hauptprobleme der Haltung im Kastenstand

 

Tiergerechte und zweckmäßige Abferkelsysteme

 

Urteil zu Kastenständen


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