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Milchkühe


23,5 Millionen Milchkühe werden in der Europäischen Union gehalten. Größter Milchproduzent der EU ist Deutschland - mit 4,3 Mio. Milchkühen. Der Großteil von ihnen leidet unter den Haltungsbedingungen.


In modernen Ställen leben Milchkühe in sogenannten Liegeboxen-Laufställen. In Deutschland werden jedoch noch etwa ein Drittel der Tiere an Ketten oder Halsrahmen fixiert im Stall gehalten. Insbesondere in Süddeutschland ist dies der Fall. Anbindehaltung von Rindern ist erlaubt, sogar ganzjährig. Den bewegungsfreudigen, reinlichen und hoch sozialen Tieren ist es bei dieser Haltungsform nicht möglich, ihre natürlichen Bedürfnisse auszuleben. Zudem kommt es aufgrund der Enge im Stall zu erschwertem Aufstehen und Niederlegen. In den Ställen stehen die Tiere meist ohne Einstreu. Die harte Liegefläche führt zu Liegeschwielen und schmerzhaften Gelenksentzündungen. Es gibt keine speziellen gesetzlichen Regelungen für die Haltung von Rindern, die älter als 6 Monate sind. So ist es möglich, die Tiere auf engstem Raum zu halten, ohne den nötigen Platz zum Ausweichen. Die wenigsten Milchkühe  sehen jemals eine Weide.


Anbindehaltung von Rindern ist erlaubt, sogar ganzjährig.
© iStockphoto.com

Nur eine Kuh, die kalbt, gibt Milch

Die einzige Aufgabe einer Milchkuh ist es, viel Milch zu produzieren. Doch Milch gibt sie nur, wenn sie ein Kalb gebärt. So wird die Kuh mit Eintreten der Geschlechtsreife im Alter von 16-18 Monaten erstmals künstlich besamt. Kurz nach der Geburt ihres ersten Kalbes  gibt die Kuh Milch, die der Mensch für sich beansprucht. Deshalb werden Kuh und Kalb nach nur wenigen Stunden oder Tagen voneinander getrennt und das Kalb erhält zumeist Milchersatz, ein Gemisch aus Magermilchpulver und Wasser.

 

Durch die Trennung von der Mutterkuh wird das Kalb oft krankheitsanfälliger. Auch entwickeln sich Verhaltensstörungen, da das Kalb sein natürliches Bedürfnis, am Euter der Mutter zu saugen, nicht befriedigen kann. Die Fürsorge und Pflege ihrer Mutter erfahren diese Kälber nie.


Die Fürsorge und Pflege ihrer Mutter erfahren diese Kälber nie.
© iStockpgoto.com/Hans Engberg

Kühe müssen immer mehr Milch geben

Nach der Geburt des letzten Kalbes wird eine Milchkuh so schnell wie möglich wieder besamt, damit sie möglichst viel Milch gibt. Die Milchleistung pro Kuh  das ist die Menge an Milch, die eine Kuh pro Jahr gibt – nahm in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Hochleistungs-Milchkühe geben heute bis zu 12.000 Liter Milch im Jahr. Diese Tiere bekommen enorme Mengen Kraftfutter, um eine solch hohe Milchleistung zu erzeugen. Vergleichbar ist diese körperliche Leistung mit einem Spitzensportler, der jeden Tag einen Marathon laufen muss.


Krank durch hohe Milchleistung

Diese hohe Leistung wird nicht nur durch Zucht, sondern auch durch sehr hohe Mengen an Kraftfutter wie Getreide und Soja erreicht. Diese Art der Fütterung ist nicht artgemäß, denn Rinder sind Wiederkäuer, deren Nahrungsgrundlage normalerweise Gras oder Heu sein sollte. Viele Kühe kommen physiologisch mit der enormen Milchleistung nicht mit und leiden an lebensbedrohlichen Stoffwechselstörungen. Durch die hochkonzentrierte Kraftfutterbasierte Fütterung leiden viele Tiere unter einer Übersäuerung des Pansens.


Betäubungsloses Enthornen

Auch weibliche Rinder tragen Hörner. Um Milch möglichst billig zu produzieren und maximalen Gewinn zu erzielen, werden sehr viele Tiere auf engstem Raum eingestallt. Damit sich die Tiere in der Beengtheit, der sie ausgesetzt sind, nicht gegenseitig verletzen, werden ihnen bereits in den ersten Lebenswochen die Ansätze der Hörner ausgebrannt. Dies wird mit einem Brennstab und ohne Betäubung durchgeführt. Der Hornansatz ist stark mit Nerven durchzogen. Obwohl diese Prozedur äußerst schmerzhaft für das Kalb ist, ist dies gesetzlich erlaubt.



Viele Kühe sind ausgezehrt und werden frühzeitig geschlachtet

Meist sind Milchkühe nach kurzer Zeit ausgemergelt und können aufgrund des übergroßen Euters kaum richtig laufen. Auch die Klauen nutzen sich nicht ausreichend ab, sie wachsen durch die enormen Kraftfuttermengen, die diesen Tieren gefüttert werden, stärker als bei einer Raufutter-basierten Fütterung mit Gras und Heu. Liegeflächen werden nicht ausreichend eingestreut, was zu schmerzhaften Liegeschwielen und Gelenkentzündungen führt. 30 bis 50 % aller deutschen Milchkühe leiden an Lahmheiten. Im Schnitt wird ein Drittel der Rinderherde jährlich geschlachtet und durch neue Tiere ersetzt. Das sind in Deutschland über 1,2 Millionen Tiere.  Eine Milchkuh wird heute im Schnitt nicht älter als fünf Jahre – und das, obwohl ein Rind erst mit 5 Jahren ausgewachsen ist und die natürliche Lebenserwartung eigentlich bei 20 Jahren liegt.


Männliche Milchkuh-Kälber sind nichts Wert

Die männlichen Kälber der Milchrassen setzen wenig Fleisch an und sind deshalb auf dem Fleischmarkt fast nichts wert. Kälber, die zu mager für die Mast oder krank sind, werden häufig vernachlässigt und sogar angeblich– wenn der Tierarzt zu teuer scheint,  sterben gelassen.  Andere Bullenkälber werden zur Kälbermast nach Holland oder Belgien verkauft. Dort werden sie in dunklen, einstreulosen Ställen gehalten, um helles Kalbfleisch zu produzieren. Raufutter gibt es nicht oder in viel zu geringen Mengen. Kälber, die den langen Transport nicht gut überstehen und in einem gesundheitlich schlechten Zustand sind, werden an den Ländergrenzen eingeschläfert. Dies betrifft Hunderte von Kälbern[1]

Genaue Zahlen verendeter männlicher Kälber gibt es erst ab dem 7. Lebenstag der Tiere. Denn ab da müssen sie eine Ohrmarke tragen und in der offiziellen Datenbank, der HIT-Liste registriert sein. Kälber, die innerhalb der ersten Lebenswoche sterben, tauchen in keiner Statistik auf. Dies macht es so schwer, der Verbleib der Kälber ausfindig zu machen[2].

 


[1] https://www.ndr.de/nachrichten/Die-Ramschkaelber,sendung514264.html.

[2] https://www.ndr.de/nachrichten/Tote-Kaelber-Luecke-in-Statistik,kaelberstatistik100.html


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