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Alternative Milchkuhhaltung


Muttergebundene Kälberaufzucht

Es gibt vereinzelt Höfe, auf denen Milchkühe mit ihren Kälbern gemeinsam gehalten werden. Die Mutterkuh säugt ihr Kalb und wird zusätzlich gemolken. Dies nennt man Muttergebundene Kälberaufzucht. Gegenwärtig praktizieren nicht viele Landwirte dieses Verfahren, es werden jedoch immer mehr. Milchbauern, insbesondere Bio-Milchbauern setzen sich zunehmend mit dem Problem der Mutter-Kalb-Trennung auseinander. Es werden Lösungen gesucht, um die Trennung direkt nach der Geburt zu vermeiden und trotzdem Milch verkaufen zu können. Es gibt kein allgemeingültiges System der Muttergebundenen Kälberaufzucht: einige Landwirte lassen die Kälber durchgängig für ein paar Monate bei ihren Müttern, andere nur für einige Wochen. In einigen Systemen werden die Kälber nachts von den Müttern getrennt gehalten, können aber tagsüber mit ihnen zusammen laufen.

 

VIER PFOTEN hat gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für ökologischen Landbau (FIBL) eine aktuelle Neuauflage eines Merkblattes zur Mutter- und Ammengebundenen Kälberaufzucht ausgearbeitet. Hier werden verschiedene Praxisbeispiele vorgestellt und beschrieben. Die Druck- und online-Version ist unter diesem Link erhältlich.


Muttergebundene Aufzucht: Glückliche Kuh mit Kalb in der Herde.
© istock|Blue_Rain

Ammenkuhhaltung

Eine weitere Haltungsform ist die Ammenkuhhaltung, bei der mehrere Kälber von sogenannten Ammenkühen großgezogen werden. Ammenkühe sind nicht die leiblichen Mütter der Kälber. Sie werden nicht gemolken, sondern säugen in der Regel 2-4 Kälber gleichzeitig. Die leiblichen Mütter der Kälber hingegen werden gemolken und haben meist keinen direkten Kontakt zu ihren Kälbern. In diesem System haben zumindest die Kälber die Möglichkeit, von einem Euter zu saugen. Dies entspricht ihrem natürlichen Nahrungsaufnahmeverhalten und verhindert Gesundheitsstörungen, wie sie in der konventionellen Aufzucht an der Tagesordnung sind. Jedoch bleibt die Tatsache, dass das Kalb von seiner Mutter getrennt wird. Die damit verbundenen Nachteile dieser Trennung sind bei der Ammenkuhhaltung für beide, Kuh und Kalb, nicht gelöst. Ein Vorteil der Ammenkuhhaltung ist jedoch, dass die Kälber hier meist über einen längeren Zeitraum saugen dürfen (bspw. bis zum 6. Lebensmonat) als in der Muttergebundenen Kälberaufzucht.



© istock|NWLpixs

Das Absetzen

Das natürliche Alter, in dem sich ein Kalb von seiner Mutter entwöhnt und sich ausschließlich von Gras ernährt, liegt bei etwa 9-10 Monaten. In der Muttergebundenen Kälberaufzucht werden die Kälber jedoch meist früher abgesetzt, da sonst die Milcheinbußen zu hoch sind.

Kälber fangen schon ab der 2. Lebenswoche an, neben dem Milchtrinken zusätzlich Gras oder Heu zu fressen. Meist können sie sich mit gut 3 Monaten schon selbstständig von Raufutter ernähren und ihren Durst mit Wasser stillen. Sofern das Absetzen so geschieht, dass Kalb und Mutter nicht zu sehr unter emotionalem Stress leiden, ist es zu diesem Zeitpunkt akzeptabel.

 

Man kann die Trennung von Kalb und Mutter abrupt oder stufenweise einleiten. Bevorzugt wird aus Tierschutzsicht ein stufenweises Verfahren, so dass die Trennung von Mutter und Kalb zunächst für einige Stunden erprobt wird und dies dann langsam gesteigert wird. In der Ammenkuhhaltung wird das Absetzen der Kälber in der Regel ebenfalls durch den Menschen herbeigeführt und kann auch hier abrupt oder stufenweise erfolgen.


Nicht nur das Kalb wird von seiner Mutter liebkost – auch die Mutter bekommt von ihrem Kalb Zuwendung.
© VIER PFOTEN

Wirtschaftlichkeit

Bei Muttergebundener Kälberaufzucht ist die abgelieferte Milchmenge bis zum Absetzen des Kalbes zwar zwangsläufig niedriger, jedoch werden die Tiere seltener krank. Typische haltungs- und fütterungsbedingte Krankheiten wie Euterentzündungen bei den Kühen oder lebensbedrohliche Durchfallerkrankungen bei den Kälbern treten in der Muttergebundenen Kälberaufzucht so gut wie nicht auf. Dies wirkt sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit aus und kompensiert zu einem gewissen Anteil die Einbußen, die durch die  geringer verkaufte Milchmenge entstehen.   

 

Auf einen Teil der Milch zum Verkauf zu verzichten ist aus Versorgungsgründen nicht schlimm, da der Selbstversorgungsgrad in Deutschland weit über 100% liegt und mehr Milch produziert wird als wir brauchen. Milch wird derzeit zu Schleuderpreisen verkauft, weit unter ihrem Produktionswert. Mehr Platz, Weidezugang sowie ein höherer Aufwand im Management der Tiere durch eine Muttergebundene Kälberaufzucht führen zu einem höheren Endverbraucherpreis für einen Liter Milch. Mit diesem Mehrpreis bezahlt man jedoch direkt für mehr Tierschutz und unterstützt die Landwirte, die ganz wesentliche Tierschutzverbesserungen in die Praxis umsetzen.  Ein Beispiel aus der Praxis sehen Sie hier.


Positives Beispiel aus der Praxis

Normalerweise werden Kälber von Milchkühen schon nach den ersten Lebenstagen von der Mutter getrennt, damit man die gesamte Milch für den menschlichen Verzehr melken und verkaufen kann. Hans Möller, Betriebsleiter eines Biolandhofs nördlich von Hamburg, macht es anders. Wir haben mit dem Bauern gesprochen, um mehr zu erfahren. Zum Interview.



© © VIER PFOTEN

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