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Zucht und Haltung

2012-08-30

Haushühner wurden Jahrtausende zur gleichzeitigen Eier- und Fleischproduktion gehalten. Doch seit den 1960er Jahren werden die Tiere gezielt auf nur noch ein Leistungsmerkmal hin gezüchtet –  Ei oder Fleisch. Das Ergebnis: Ein Masthuhn der "Spitzenklasse" erreicht heute sein Schlachtgewicht von 1,8 Kilo in 32 Tagen. In den 1950er Jahren brauchte ein Huhn 100 Tage, um ein solches Gewicht zu erreichen.

 

Die schädlichen Auswirkungen dieser Zucht sind seit langem bekannt.

 

 

Probleme der Turbozucht

  • Als direkte Folgen treten vermehrt Stoffwechselerkrankungen wie Bauchwassersucht und der so genannte Herztod auf.
  • Die aufgrund des schnellen Wachstums stark eingeschränkte Mobilität der Masthühner führt zu Beinschwäche und Lahmheit.
  • Andauerndes Sitzen der Hühner führt in Verbindung mit schlechter Einstreuqualität zur Bildung von Hauterkrankungen wie Brustblasen, Hautverbrennungen und Fußballenerkrankungen, die Eingangspforten für Infektionen bilden.


Verschlimmert werden die Zuchtprobleme durch die miserablen Haltungsbedingungen.

 

 

Schlechte Haltung

 

Ihr kurzes, qualvolles Leben verbringen die Masthühner auf engstem Raum in meist fensterlosen Hallen auf eingestreuten Böden. Zu Beginn ihres Lebens haben die Küken noch genug Platz. Den rasant wachsenden Fleischkolossen wird es jedoch bald zu eng. In deutschen Ställen teilen sich 23 Hühner einen Quadratmeter –  für das einzelne Masthuhn bleibt damit gerade einmal eine Fläche von 435 cm².

 

Natürliche Verhaltensweisen und Grundbedürfnisse, wie Sandbaden, Flattern und Ruhen auf erhöhten Plätzen, können die Tiere in den dunklen und strukturlosen Ställen nicht ausleben. Im Extremfall sitzen oder liegen sie zum Ende der Mast nur noch. Einige Tiere kommen nicht mehr an die Tränken und verdursten.

Infolge der schlechten Haltungsbedingungen und Überzüchtung kommt es zu einer überdurchschnittlich hohen Sterblichkeit. Die Todesrate dieser Turbo-Masthühner ist siebenmal höher als bei gleichaltrigen Legehennen und viermal höher als bei langsamer wachsenden Rassen.

 

 

Das "Elterntier-Dilemma"

 

Die hochgezüchteten Mastrassen stellen die Züchter jedoch auch vor ein Dilemma. Für die Fortpflanzung wachsen die Hühner zu schnell. Sie erreichen nach etwa 24 Wochen Geschlechtsreife. Bis dahin würden sie mehr als sechs Kilo wiegen. Die Folge wäre eine verminderte Fortpflanzungsrate durch Krankheiten und hohe Sterblichkeit. 

 

Die "Lösung" des Problems geht auch hier auf Kosten der Tiere: Die Züchter lassen die Elterntiere hungern, damit sie weiterhin das Merkmal der rasanten Gewichtszunahme an ihre Nachkommen weitervererben. Die Tiere erhalten gerade einmal 40 Prozent oder weniger der Futtermenge, die sie bei freiem Futterzugang zu sich nehmen würden. Der chronische Hunger führt zu gesteigertem Aggressionsverhalten bis hin zu Kannibalismus. Diese Praxis widerspricht europäischen und nationalen Gesetzen, die allen Nutztieren eine angemessene Ernährung garantieren.


 

Mehr Informationen

 

Genetics in broilers (englisch / PDF 316 KB):

Eine ausführliche, wissenschaftliche Darstellung zur Zuchtproblematik sowie Lösungsansätze


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