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Elternzeit für Kühe

2017-02-08

Landwirte aus Schleswig-Holstein praktizieren erfolgreich muttergebundene Kälberaufzucht


Elternzeit für Kühe: Alle Aufzuchtkälber bleiben drei Monate lang durchgehend in der Herde bei ihren Müttern.
© Jan Schultchen

Auf den Höfen von „De Öko Melkburen“ bleiben Aufzuchtkälber mindestens drei Monate bei ihren Müttern. Von VIER PFOTEN begleitet haben drei Bio-Landwirte aus Schleswig-Holstein ihre Betriebe auf muttergebundene Kälberaufzucht umgestellt. Die dort produzierte „Vier-Jahreszeiten-Milch“ ist bundesweit die erste im Einzelhandel erhältliche Milch, die ausschließlich aus muttergebundener Kälberaufzucht stammt. Das Projekt wird von der Regionalwert AG Hamburg unterstützt.

 

Muttergebunde Kälberaufzucht ist aus Tierschutzsicht die optimale Lösung für eine besonders tiergerechte Aufzuchtmethode von Kälbern. Übliche, tiergesundheitliche Probleme aus der Milchviehhaltung treten in diesem System fast gar nicht auf.


Probleme der konventionellen Milchkuhhaltung

Deutschland ist mit 4,3 Mio. Milchkühen der größte Milchproduzent der EU. Der Großteil der Tiere leidet in konventioneller Haltung, insbesondere die Kälber. In der konventionellen Milchkuhhaltung werden die Kälber in der Regel schon nach 24 Stunden von der Mutter getrennt. Durch die Trennung von der Mutterkuh und die Fütterung mit Milchaustauscher haben die Kälber oft mit Durchfallerkrankungen zu kämpfen. Auch entwickeln sich Verhaltensstörungen, da das Kalb in Einzelhaltung sein natürliches Bedürfnis, am Euter der Mutter zu saugen, nicht befriedigen kann.


Kuh und Kalb haben ein enges Verhältnis.
© VIER PFOTEN

Hans Möller, Geschäftsführer und Landwirt, De Öko Melkburen:

„In der konventionellen Haltung werden Kälber schon nach den ersten Lebenstagen von der Mutter getrennt. Das machen wir anders! Bei uns bleiben alle Aufzuchtkälber drei Monate lang durchgehend in der Herde bei ihren Müttern. So können die Kälber miteinander spielen, aber auch jederzeit bei ihren Müttern trinken. Nach drei Monaten können sich die Kälber selbst ernähren und werden abgesetzt. Dafür bringen wir die Kälber gemeinsam auf eine eigene Weide. Nach zwei bis drei Tagen haben sich Kälber und Mutterkühe daran gewöhnt.“


Vor- und Nachteile der muttergebundenen Kälberhaltung

Bei muttergebundener Kälberaufzucht ist die abgelieferte Milchmenge bis zum Absetzen des Kalbs zwangsläufig niedriger. Jedoch werden die Tiere seltener krank. Zum Beispiel gibt es kaum noch typische haltungs- und fütterungsbedingte Krankheiten wie Euterentzündungen und Milchfieber bei den Kühen oder Durchfallerkrankungen bei den Kälbern.


Die „Vier-Jahreszeiten-Milch“ ist bundesweit die erste im Einzelhandel erhältliche Milch, die ausschließlich aus muttergebundener Kälberaufzucht stammt.
© VIER PFOTEN

Schluss mit „Milchmädchenrechnungen“

Die Umstellung der Haltung ist mit einer Preiserhöhung um rund 30 Cent für die "Vier-Jahreszeiten-Milch" der Öko Melkburen verbunden. Der Liter kostet im Einzelhandel jetzt 1,79 bis 1,99 Euro.

 

Ulf Schönheim, Vorstand der Regionalwert AG Hamburg, sagt: „An der 'Vier-Jahreszeiten-Milch' kann man gut sehen, was ein hochwertiges regionales Lebensmittel wirklich kostet. Bei billiger Milch zahlen letztlich einfach nur andere den wahren Preis: Soja-Erzeuger in Südamerika, die Tiere, die Bauern in unserer Region – und letztlich auch die Verbraucher selbst, weil sie ein minderwertiges Produkt bekommen. Aus dieser Milchmädchenrechnung müssen wir raus.“


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