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Keine Panik: Begegnung mit Hunden


Wer als Nicht-Hundehalter einem unbekannten Hund begegnet, ist oft verunsichert. Doch wer die Grundregeln der Hundesprache kennt, kann Missverständnisse vermeiden.


Hund in Sicht? Ruhe bewahren.
© VIER PFOTEN

Immer wieder berichten die Medien über aggressive Hunde – die Meldungen bewirken eine inzwischen panikartige Stimmung. Als Reaktion darauf werden Beißkorb- und Leinenpflicht verschärft: Es gibt inzwischen kaum noch Orte, an denen sich Hunde natürlich und frei bewegen können. Anstatt erhöhte Sicherheit zu gewährleisten, bewirkt dies das exakte Gegenteil, denn so können Hunde ihre Bedürfnisse nicht mehr ausleben und werden gerade deshalb verhaltensauffällig.

 

Generell gilt: Hunde, die ein hundegerechtes Leben führen dürfen, haben keinen Grund zu beißen.


 

Verhaltensregeln

 

Zuerst kann Entwarnung gegeben werden: Die meisten Hunde stellen keine Gefahr dar und zeigen kein besonderes Interesse an Menschen, wenn sie von Menschen ignoriert werden.

 

Dennoch sollte man die Hundesprache verstehen, um im „Ernstfall“ richtig reagieren zu können. Die von VIER PFOTEN im Folgenden angeführten Verhaltensregeln wirken deeskalierend und präventiv.

 

  • Niemand möchte von fremden Menschen einfach so an gegrabscht werden, so geht es auch den meisten Hunden. Überlassen Sie daher ausschließlich dem Hund die Wahl über Annäherung oder Nicht-Annäherung.
  • Beim Zusammentreffen mit frei laufenden Hunden am besten Ruhe bewahren. Auch für uns Menschen wäre es äußerst merkwürdig, wenn aufgrund der eigenen Anwesenheit plötzlich in der Umgebung alle hektisch werden, wild gestikulieren, weglaufen, schreien, etc.
  • Bei direkter Begegnung mit Hunden: ruhig stehen bleiben, zumindest Tempo verlangsamen, Arme hängen lassen. Auf keinen Fall hektisch werden oder gar weglaufen, das missversteht der Hund!
  • Wenn der Hund in weiterer Folge positives Interesse – erkennbar an entspannter Körperhaltung, Schwanz weder eingezogen noch hoch getragen – zeigt, ist eine Kontaktaufnahme durch ruhiges Ansprechen möglich, wenn der Wunsch dazu besteht. Lassen Sie den Hund an Ihnen schnüffeln. Übrigens: Wedeln mit dem Schwanz ist entgegen weitläufiger Meinung nicht immer ein Zeichen von Freude, es kann auch Aufregung bedeuten.
  • Den Hund immer von unten / seitlich streicheln (z. B. Kinn, Wangen), niemals von oben! Dem Hund die Möglichkeit zum Ausweichen lassen, also weder an der kurzen Leine, noch in einer Ecke! Wenn der Hund weggeht, ist das zu respektieren!
  • Steht der Hund mit angespannter Körperhaltung, hoch getragenem oder eingezogenem Schwanz, eventuell blickfixierend und mit gesträubten Haaren da und / oder knurrt, ist Vorsicht geboten. Jetzt ist Ignorieren angesagt!
  • Zeigt ein Hund ängstliches oder gar Drohverhalten, am besten den Körper langsam abwenden und ein Objekt in einiger Entfernung fixieren. Auf keinen Fall den Hund direkt anschauen. Die Arme hängen lassen, langsam wegbewegen. Und wichtig: bewusst normal weiteratmen!
  • Wenn Sie vor einem fremden Hund gestolpert sind, rollen Sie sich ein und mit den Händen Ihren Nacken schützen.

 


Kinder und Hunde

 

Besonders wichtig ist es, diese Regeln auch Kindern verständlich zu machen, am besten zu Beginn ohne Hund. Kinder sind in vielerlei Hinsicht für Hunde unvorhersehbare, kleine Menschen: Sie spielen häufig sehr laut, laufen wild, machen hektische, ungewohnte Bewegungen.

 

Die meisten Unfälle passieren mit Hunden aus der Familie bzw. dem Bekanntenkreis. Durch die Vertrautheit vergessen Kinder (und Erwachsene) häufig wichtige Verhaltensregeln. Wichtig ist auch, dass hundefreundliche Kinder lernen, dass vor allem fremden Hunden mit viel Respekt zu begegnen ist.

 

Kinder und Hunde sollten niemals ohne Beaufsichtigung einer erwachsenen Person zusammen sein!

 

Kinder sollten den respektvollen Umgang mit dem Lebewesen Hund lernen und Rücksicht nehmen. Dazu gehört, dass Hunde keine Plüschtiere sind, die immer zur Verfügung stehen. Um Sicherheit zu gewährleisten und im Interesse des Hundes, sollte immer eine störungsfreie Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung stehen.

 

Absolut tabu beim Aufeinandertreffen von Kind und Hund:

 

  • Auf den Hund zu- oder weglaufen: Dies kann beim Hund Angst oder Jagdverhalten auslösen.
  • Ballspiele: Durch das Nachhetzen wird der Hund sehr hochgepusht, es besteht die Gefahr, dass er vor lauter Aufregung schnappt.
  • Zerrspiele: Gemeinsames Ziehen an einem Stock / Seil kann den Hund sehr aufregen, ihn eventuell sogar zum Verteidigen des Spielzeugs bringen.
  • Rennspiele: bringen den Hund in Jagdstimmung.
  • Geschrei: kann dem Hund Angst machen.
  • Hunde nie beim Schlafen, Essen oder Spielen stören.

 

 

Das Problem liegt am anderen Ende der Leine

 

Unfälle passieren meistens mit bekannten Hunden, dabei spielt die Rassezugehörigkeit keine Rolle. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die potenzielle Gefährlichkeit von Hunden von Lernerfahrungen abhängt und nicht an Rassemerkmalen festzumachen ist. Bundeslandspezifische Rasselisten vermitteln ein falsches Sicherheitsgefühl, diskriminieren unschuldige Hunde und deren Halter und ignorieren jegliche wissenschaftliche und statistische Grundlage!

 

Das Problem liegt immer am anderen Ende der Leine. VIER PFOTEN fordert daher strikte Bestrafungen, wie sofortiges Tierhalteverbot, für auffällig gewordene (d. h. verantwortungslose) Hundehalter.


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