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Tierleid in Deutschlands Kantinenessen - von Steuergeldern finanziert


VIER PFOTEN fordert mehr Tierschutz in öffentlichen Einrichtungen.

 

Für die Verpflegung in Kantinen von Schulen und Kindergärten, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen, werden meist Fleisch-, Eier- und Milch-Produkte eingekauft, ohne dass dabei auf Tierschutz-Kriterien und Herkunft geachtet wird.  Dies bedeutet Leid für Tiere, mitfinanziert durch Steuergelder.



© Fred Dott | VIER PFOTEN

Viele Einrichtungen, wie Schulen, Universitäten oder Krankenhäuser, kaufen kostengünstig in großen Mengen Fleisch, Eier und Milch – ohne dabei auf die Herkunft und Qualität der Produkte zu achten. Damit wird indirekt Tierleid gefördert, denn die meist billig eingekauften tierischen Lebensmittel stammen großteils aus Intensivtierhaltung. Dort stehen oft genmanipuliertes Futter, schlechte Haltungsbedingungen und schmerzhafte Eingriffe, wie Schwanzkupieren, betäubungslose Kastrationen oder Kükentöten an der Tagesordnung.

 

Fehlende Tierschutz-Kriterien bei öffentlichen Ausschreibungen

Bei der Auswahl von Zulieferern und Caterern werden meist keine Tierschutz-Kriterien berücksichtigt. Hauptverantwortlich für die Entscheidung bei der Vergabe sind Bund, Länder und Kommunen, die in der Regel primär nach Preiskriterien entscheiden. Aufgrund des enormen Einkaufsvolumens hat die öffentliche Beschaffung von Lebensmitteln jedoch einen maßgeblichen Einfluss auf den Markt. Daher steht die öffentliche Hand in der Verantwortung Steuergelder so einzusetzen, dass sie einen nachhaltigen Beitrag für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung leisten.

 

Die Beschaffung tierischer Produkte – entscheidend für Tier, Gesundheit und Umwelt

Anerkannte Ernährungsrichtlinien wie z.B. die der Deutschen Gesellschaft für Ernährung fordern die deutliche Reduktion des Konsums tierischer Produkte. Staatliche Einrichtungen sollten diesen Empfehlungen zum Wohle der Bevölkerung Folge leisten. Zudem würden sie zum Klimaschutz beitragen, denn Tierhaltung in der konventionellen Landwirtschaft belastet die Umwelt massiv; die Reduktion des Konsums tierischer Produkte unter Berücksichtigung einer biologischen Erzeugung würden entscheidend zu mehr Tierwohl, gesünderen Menschen und mehr Umweltschutz beitragen.

 

Die Berücksichtigung von Tierschutz-Kriterien bei der öffentlichen Beschaffung von tierischen Produkten für Kantinen verfolgt zwei Ziele:

 

  1. Die Etablierung tierfreundlicherer Produkte am Markt und einer daraus entstehenden Förderung von mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung.
  2. Eine tierfreundliche und transparente öffentliche Gemeinschaftsverpflegung, die den Wünschen der Verbraucher nach mehr Tierwohl Rechnung trägt und als Vorbild fungiert.

VIER PFOTEN fordert

Für alle Tierarten sind folgende Kernforderungen an die Haltungssysteme zu erfüllen: Förderung des natürlichen Verhaltens, Vermeiden von Schmerzen, ausreichend Platz, Auslauf und Tageslicht, Abkehr von Hochleistungsrassen sowie strengere Auflagen für Transport und Schlachtung.

 

Darüber hinaus fordert VIER PFOTEN, dass Kantinen öffentlicher Einrichtungen langfristig das Angebot von Fleischprodukten halbieren, tierische Produkte ausschließlich von artgemäßen Tierhaltungssystemen beziehen und das Angebot von rein pflanzlichen Gerichten ausbauen.

 

  • REDUKTION: Grundsätzlich sollte weniger Fleisch in Kantinen öffentlicher Einrichtungen angeboten werden. Gleichzeitig soll das Angebot um vollwertige pflanzliche Gerichte ständig erweitert werden.

 

  • TIERSCHUTZ-KRITERIEN: Aufnahme von Tierschutz-Kriterien in die jeweiligen Vergaberichtlinien von Bund, Ländern und Kommunen. Das bedeutet, dass in öffentlich geförderten Kantinen tierische Produkte ausschließlich aus besseren Tierhaltungssystemen stammen sollten. (Mehr Details zu den VIER PFOTEN Tierschutz-Kriterien)

Was Sie tun können:

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Tierschutz beim Essen in Schulen, Kindergärten und anderen öffentlichen Einrichtungen? Machen Sie mit bei unserer Umfrage und teilen Sie uns Ihre Meinung mit.


Hintergrundinformationen: Zahlen & Fakten

Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) gibt es ca. 17.000 Ganztagsschulen mit Mittagstisch sowie 52.000 KiTas mit über fünf Millionen potentiellen Kantinengästen, daneben 2.000 Krankenhäuser und 13.000 Pflege- und Reha-Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung.

 

Schul- und KiTaessen beispielsweise gilt in Deutschland als qualitativ schlecht und nicht vollwertig. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigte, dass fast die Hälfte der KiTas zu viel Fleisch und Fleischerzeugnisse anbieten und jeder dritte Kindergarten gar keine biologisch produzierten Lebensmittel verwendet. (1)

Wie eine von VIER PFOTEN in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage von 03/18 belegt, findet knapp 90 % der deutschen Bevölkerung, dass beim Einkauf tierischer Produkte in öffentlichen Einrichtungen Tierschutz-Kriterien eingehalten werden sollten.



Quellen:

  1. Bertelsmann-Stiftung, 2014: Is(s)t KiTa gut? KiTa-Verpflegung in Deutschland; Status quo und Handlungsbedarfe.
  2. INTERGRAL Umfrage im Auftrag von VIER PFOTEN, 03-2018

Der VIER PFOTEN Bericht

Der VIER PFOTEN Bericht zeigt Missstände auf, die den Mangel an Transparenz und klaren Vorgaben zum Tierwohl in der Beschaffungspolitik belegen. Gleichzeitig zeigt er Best Practice Beispiele, wie einige Städte und Kommunen bereits tierfreundlich einkaufen und somit nachhaltige Signale an den Markt senden, zugunsten von mehr Tierwohl, gesünderen Menschen und mehr Umweltschutz.

 

Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Bericht (PDF: 3,28 MB).


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