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Streunerhilfe Indien

2015-02-26

Tierärzteteam von VIER PFOTEN reist nach Chennai

VIER PFOTEN setzt die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der indischen Tierschutzorganisation Organisation Blue Cross of India fort und behandelt Streunertiere in der Hafenstadt Chennai.


Hündin Darling hatte den Kiefer gebrochen. VIER PFOTEN Tierärztin Dr. Anca Tomescu operierte die Streunerhündin.
© VIER PFOTEN

Ein Tierärzteteam von VIER PFOTEN ist Mitte Februar in die Hafenstadt Chennai an der Ostküste Süd-Indiens gereist, um dort in Kooperation mit der indischen Tierschutzorganisation "Blue Cross of India" verletzte oder kranke Streunerhunde sowie andere notleidende Tiere zu verarzten, zu kastrieren und zu impfen. Zwei Wochen lang behandelt das Team von VIER PFOTEN im Tierheim von Blue Cross of India kostenlos Tiere, die von der Stadtverwaltung oder Privatpersonen gebracht werden.



 

 

Tierärzte arbeiten von früh bis spät


Die Tierärzte von VIER PFOTEN behandeln die Hunden kostenlos.
© VIER PFOTEN

Die Tierärzte der Partnerorganisation kastrieren und versorgen seit Jahren hunderte Streunerhunde im Monat. Doch es gibt weit mehr tierische Patienten als Tierärzte; jeden Tag kommen LKW-Ladungen mit Hunden und anderen Tieren im Tierheim an. Das bedeutet Arbeit von früh morgens bis spät abends für die Tierärzte. Auf dem Operationstisch von VIER PFOTEN Teamleiterin Dr. Anca Tomescu liegen täglich dutzende Hunde, die sie kastriert und impft. Außerdem etliche Notfälle: Ob Vogel, Affe, Kuh, Schlange, Hund oder Katze – die engagierte Tierärztin nimmt jeden Patienten und jede Herausforderung an, um Leben zu retten.

 

          „Indische Tierärzte sind sehr gut, aber sie können die riesige Anzahl an leidenden Tieren nicht alleine bewältigen. Ich bin sehr froh darüber, dass wir Blue Cross of India unterstützen können. Indien ist für mich ein zweites Zuhause. Hier kann ich meinen Beruf als Tierärztin praktizieren. Ich kann nicht in Worte fassen, wie glücklich ich mich fühle, wenn ich das Leben eines Tieres gerettet habe.“
  Dr. Anca Tomescu, Tierärztin bei VIER PFOTEN

 

Hilfe für Darling


Der Kiefer von Hündin Darling war gebrochen.
© VIER PFOTEN

An einem Tag wurde dem Ärzteteam eine misshandelte junge Hündin ins Tierheim gebracht. Jemand hatte ihr den Kiefer gebrochen. In einer mehrstündigen Operation fixierten Dr. Tomescu und ihr Team den Kiefer der Hündin, der sie den Namen „Darling“ gaben. Da eine orthopädische Maske für eine solche Verletzung fehlte, konstruierten die Tierärzte kurzerhand eine passende Schutzmaske für Darling. Die Hündin hat die Operation gut überstanden und ist auf dem Weg der Besserung.

 

      „Es berührt mich sehr, eine verängstigte Hündin wie Darling zu sehen. Obwohl sie schlimme Schmerzen hat, wedelt sie nach ein paar Streicheleinheiten freundlich mit dem Schwanz. Langsam werden wir beste Freunde. Das macht mich irgendwie auch traurig, denn ich frage mich immer, wenn ich sie anschaue: Warum ist sie immer noch so freundlich zu uns Menschen?“
  Dr. Anca Tomescu, Tierärztin bei VIER PFOTEN

 

Dr. Tomescu hofft nun sehr, dass Darling bald ein liebevolles Zuhause findet.

 

25 Kilo Plastikmüll im Magen einer trächtigen Kuh


Im Magen dieser Kuh fanden die Tierärzte 25 Kilo Plastik.
© VIER PFOTEN

Kurz darauf dann eine neue riesengroße Herausforderung: eine trächtige, völlig geschwächte Kuh, die kaum mehr laufen konnte. In einer mehrstündigen Notoperation holten die Tierärzte von VIER PFOTEN und Blue Cross mehr als 25 Kilogramm Plastikflaschen, Drähte und Plastiktüten aus ihrem Magen. Für die Tierärzte harte Arbeit:

 

          Ich bin total erschöpft, als hätte ich einen ganzen Tag lang Sport gemacht. Unglaublich, wie so viel Müll in die arme Kuh passen konnte. Der Anblick eines solchen Müllbergs sollte alle Menschen sensibilisieren, die achtlos Müll auf die Straße werfen, vor allem in einem Land wie Indien, wo Kühe frei herumlaufen.“
  Dr. Anca Tomescu, Tierärztin bei VIER PFOTEN

 

Ob die Tierärzte das Leben der Kuh retten konnten, wird sich erst in den nächsten Tagen herausstellen.

 

Hintergrund: Hundert Jahre Streunertötungen in Chennai


Viele Straßenhunde in Indien sind völlig abgemagert.
© VIER PFOTEN

Tötungsprogramme von Streunerhunden begannen in Chennai bereits im 19. Jahrhundert, im Jahr 1860. 1919 legalisierten die Behörden mit einem örtlichen Beschluss das Einfangen und Töten aller Hunde, die auf der Straße ohne Kennzeichnung herumliefen. Von da an wuchs die Zahl der getöteten Hunde stetig. Allerdings wuchs gleichzeitig die Zahl an Tollwuterkrankungen bei Menschen, ebenso die Anzahl an Hunden auf den Straßen. Nach über hundert Jahren Streunerhunde-Massentötungen in Chennai war überdeutlich: Weder die Tollwutfälle, noch die Zahl an Streunerhunden waren zurückgegangen. Töten ist keine Lösung.

 

Eine nachhaltige Lösung: Kastrieren statt Töten

 

Blue Cross of India startete im Jahr 1996 ein Kastrationsprogramm, das „Animal Birth Control" (ABC) Programm, das in Chennai und Umgebung sowie in Japura umgesetzt wird. Das Ziel des ABC-Programms ist nicht nur, die Anzahl an Streunerhunden auf humane Weise zu reduzieren, sondern auch die Anzahl an Tollwutfällen zu senken. Seit der Umsetzung des Kastrationsprogramms in Chennai ist die Zahl von an Tollwut gestorbenen Menschen von 120 (im Jahr 1996) auf fünf (im Jahr 2004) gesunken.

 

VIER PFOTEN begann die Zusammenarbeit mit Blue Cross of India im Jahr 2007. Seitdem fährt das VIER PFOTEN Team zweimal im Jahr nach Chennai.


 

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