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Pressemeldung

2013-10-04

Wurzelkanalbehandlungen bei den Braunbären

Hamburger Zahnarzt behandelt Mary und Clara im BÄRENWALD Müritz


Hamburg, 04.10.2013 - Zahnarzt Dr. Marc Loose aus Hamburg hat am 4.10. im BÄRENWALD Müritz die Braunbären Mary und Clara in mehrstündigen Operationen behandelt. Die beiden Bärendamen kamen im Mai 2013 aus dem Tierpark Mönchengladbach in den BÄRENWALD. Im Tierpark lebten sie auf Betonboden hinter Gittern – ein Leben, das offenbar Spuren an den Zähnen hinterlassen hat. Dr. Loose musste bei Mary und bei Clara jeweils eine Wurzelkanalbehandlung durchführen. Bei beiden Bären war jeweils der untere linke Eckzahn (lat. Caninus) stark verkürzt - vermutlich durch jahrelange falsche Ernährung oder durch häufiges Kauen am Gehege-Gitter.

 

Im Gepäck hatte Dr. Loose, der eine Hamburger Zahnarztpraxis leitet, seine mobile Praxis: Bohrer, speziell für die Tiere angefertigte Feilen, chirurgische Instrumente und ein mobiles Röntgengerät. Durch Praxiserfahrungen im In- und Ausland ist Dr. Loose einer der wenigen Spezialisten auf dem Gebiet der Wildtierzahnmedizin.



© VIER PFOTEN

„Mary hatte einen abgebrochenen unteren Eckzahn mit Karies und kleiner Fraktur. Früher mussten solche Zähne entfernt werden, heute kann man das Fragment zum Glück entfernen und dann eine Wurzelbehandlung durchführen. So kann man den Zahn hoffentlich noch für einige Jahre erhalten“, sagt Zahnarzt Dr. Loose. Eckzähne sind für Braunbären wichtig, um die Nahrung festzuhalten und zu zerteilen. Sie werden normalerweise 2 bis 3 Zentimeter lang – bei Mary und auch bei Clara war unten links jeweils nur noch ein Zahn-Stumpf zu sehen. Die Wurzelkanalbehandlungen wurden mit einer Feile durchgeführt, die mit 6,2 Zentimetern mehr als doppelt so lang ist, wie die längste Feile, die beim Menschen benutzt wird. 

 

Außerdem hatte Mary oben noch den Rest eines Milchzahns im Gebiss: Normalerweise fallen auch bei Braunbären die Milchzähne in den ersten Lebensjahren heraus. „Dieser Milchzahn-Rest war chronisch entzündet und ein Fremdkörper im Gebiss, deswegen habe ich ihn komplett entfernt“, berichtet Dr. Loose. „Der obere große Eckzahn von Mary hat außerdem eine kleine Karies, die behandelt werden muss; wahrscheinlich muss eine Wurzelkanalbehandlung gemacht werden. Das war heute leider nicht möglich, da Mary wegen ihres Alters nicht kreislaufstabil war. Wir werden die Behandlung beim nächsten Zahnarzt-Termin durchführen“, so Zahnarzt Dr. Loose.


„Clara hat insgesamt ein super Gebiss. Nur in ihrem unteren großen Eckzahn hatte sie sehr starke Karies und der Zahn war abgebrochen. Auch Clara musste deswegen wurzelbehandelt werden. Ich habe zur Stabilisierung Glasfaserstifte gesetzt und dann eine Kunststofffüllung gelegt“, berichtet Dr. Loose. „Clara hat außerdem eine Zahnfehlstellung: Wäre sie ein Mensch, hätte sie als Kind zum Kieferorthopäden gemusst und eine Zahnspange tragen müssen.“ Ursache ist vermutlich auch hier falsche Fütterung und das Kauen an Gitterstäben.


Tierärztin Johanna Painer vom Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin überwachte während der Zahn-OPs streng die Narkose, nahm Blut zur Laboruntersuchung ab und fertigte Röntgenbilder an. Während der OP wurden die Bären mit Decken zugedeckt, damit sie nicht auskühlen. Die normale Körpertemperatur eines Bären beträgt 38 Grad. Im Anschluss an die Operationen erhielten beide Bären Schmerzmittel.

 

Inzwischen haben sich Mary und Clara von Narkose und OP gut erholt und streifen bereits wieder durch den BÄRENWALD. „Dies war nicht mein letzter Zahnarzt-Termin im BÄRENWALD“, sagt Dr. Loose. „Einmal im Jahr komme ich zur Kontrolle!“


Bärin Sonja brauchte eine Not-OP

 

Bereits am 27. September hatte Dr. Loose in einer Notfall-Operation Sonja behandelt, sie ist die Mutter von Mary und Clara. Sonja hatte tagelang kein Futter zu sich genommen und wollte sich kaum mehr bewegen. Ein Blick in das Gebiss der 25-jährigen Bärin zeigte: der rechte, untere Fangzahn war komplett vereitert, Sonja hatte offenbar starke Schmerzen beim Fressen. Unter Narkose entfernte Dr. Loose den entzündeten Zahn.


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VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation setzt sich mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten für den Tierschutz ein. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertisen, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunde und -katzen, Labor-, Nutz-, Wild- und Haustiere sowie auf Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Niederlassungen in Österreich, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Rumänien, der Schweiz, Südafrika, Ungarn und den USA sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not. 2013 feierte die Organisation ihr 25-jähriges Jubiläum.



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