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Pressemeldung

2013-06-17

Öffentliche Gelder unterstützen den Bau tierquälerischer Massentierhaltungen außerhalb der EU

Bundesregierung unterstützt Tierhaltungs-Formen, die in der EU längst verboten sind

 

Hamburg, 17. Juni 2013 – In einem gemeinsamen Bericht von VIER PFOTEN, Humane Society International (HSI) und Compassion in World Farming haben die internationalen Tierschutzorganisationen heute enthüllt, dass hunderte Millionen an öffentlichen Geldern von internationalen Finanzinstitutionen in den Bau grausamer Massentierhaltungs-Anlagen außerhalb der Europäischen Union fließen. Eine aktuelle Antwort der deutschen Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen bestätigt, dass Deutschland mit Euler-Hermes-Bürgschaften tierquälerische Haltungssysteme unterstützt, die in der EU schon längst verboten sind (zum Beispiel Legebatterien), und dass Produkte aus diesen Unternehmen in die EU gelangen können.

 

 

Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts in Kürze:

  • Internationale Finanzinstitutionen, an denen Deutschland Anteile hält, darunter die Internationale Finanzkorporation (IFC) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), finanzieren einige der größten landwirtschaftlichen Unternehmen außerhalb der EU, die nach wie vor einen Großteil ihrer Tiere in Legebatterien (Hühner) oder enge Kastenstände (Sauen) sperren – Praktiken, die mittlerweile in der EU verboten sind
  • Unter diesen Großbetrieben befinden sich der größte Ei-Produzent in der Türkei, der größte Masthühnerbetrieb in der Ukraine und einige der größten Schweine-Zuchtanlagen in der Ukraine und in China (jeweils zwischen 400.000 und einer Million Schweine).
  • Im Hinblick auf ihre Vergabepolitik verfügen weder IFC noch EBRD über verbindliche Tierschutz-Mindeststandards.
  • Exportkreditagenturen (ECAs) von EU-Staaten, die lokale Exporteure und deren Banken gegen das Risiko von Zahlungsausfällen versichern, haben Exportversicherungen auch für die Errichtung und Ausrüstung von Tierhalteanlagen vergeben, welche die Tierhaltestandards der EU und der Exportländer nicht erfüllen.
  • Deutschland unterstützte den Export von Käfigsystemen zur Haltung von Legehennen und Masthühnern in Drittstaaten, obwohl diese Systeme in Deutschland verboten sind. In den letzten vier Jahren wurden 40,86 Millionen Euro an Kreditversicherungen für Käfighaltungssysteme gewährt.


“Dieser systematische Missbrauch öffentlicher Gelder verursacht nicht nur immenses Tierleid, sondern auch extreme Nachteile für die Bauern in der EU”, sagt Nicolas Entrup, Konsulent der HSI und Sprecher des NGO-Bündnisses. “Unternehmen zu unterstützen, in der EU verbotene Tierhaltungssysteme anzuwenden, und ihnen Zugang zum EU-Markt zu gewähren, schafft eine Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten der Landwirte in der EU – und jener Bauern außerhalb der EU, die nicht-intensive landwirtschaftliche Tierhaltung betreiben.“

„Wir haben die Verwendung öffentlicher Gelder für Tierquälerei aufgedeckt. Nun erwarten wir von den internationalen Finanzinstitutionen verbindliche Tierschutz-Standards gemäß dem EU-Vorbild“, sagt Gabriel Paun, Kampagnendirektor von VIER PFOTEN International.

VIER PFOTEN, Humane Society International und Compassion in World Farming fordern Deutschland und andere EU-Staaten dazu auf, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Landwirte zu schützen. Die Staaten sollen die Verwendung öffentlicher Gelder für den Bau von Nutztierhalteanlagen nur dann genehmigen, wenn diese Anlagen die EU-Tierschutz-Standards einhalten.

Die drei internationalen Tierschutzorganisationen geben in ihrem Bericht konkrete Empfehlungen, wie die EU, die einzelnen Mitgliedsstaaten und die internationalen Finanzinstitutionen den Kurs im Einsatz öffentlicher Gelder für landwirtschaftliche Betriebe künftig nachhaltig ändern können:

  • Aufnahme von Tierschutzstandards in die Safeguard Policies der Weltbank, in die EHS Guidelines der IFC und in von der Weltbankgruppe unterstützte Initiativen im Tierhaltesektor (wie die Global Agenda for Action for Sustainable Livestock Sector Development).
  • Erstellung eines Performance Standards for Animal Welfare im Rahmen der IFC.
  • Entwicklung einer fortschrittlichen Tierschutzpolitik der EBRD, die auch verbindliche Tierschutzkriterien umfasst, und Anregung vergleichbarer Prozesse in anderen Entwicklungsbanken, die öffentliche Gelder einsetzen.
  • Heranziehung der EU-Tierschutzstandards als Mindestkriterium bei der Beurteilung möglicher IFI-Investitionen.
  • Keine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit von EU-Landwirten durch direkte oder indirekte Vergabe von Investitionskapital durch EU-Staaten an Agrarbetriebe in Drittstaaten, die nicht zumindest die EU-Tierschutzstandards erfüllen.
  • Knüpfung der Exportkreditversicherungen zumindest an die Einhaltung der EU-Tierschutzstandards.

Presserückfragen bitte an:


Nicolas Entrup, Sprecher des NGO-Bündnisses, Tel. +43 660 211 9963, n.entrup@shiftingvalues.com


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